Ernstfall im Wald geprobt
Bergwacht und Bayerische Waldbauernschule führen Rettungsübung durch
Schnell kann es passieren: eine kleine Unachtsamkeit bei der Waldarbeit führt zu einem schlimmen Unfall, dann ist schnelle Hilfe gefragt. Diesen Ernstfall haben die Bayerische Waldbauernschule und die Bergwacht Kelheim gemeinsam geprobt. Wir geben einen Einblick in die Rettungsübung.
Als Szenario erlitt ein Lehrmeister der Waldbauernschule eine Schnittverletzung an der linken Wade mit der Motorsäge. Seine Kursteilnehmer, Forstwirt-Auszubildende im zweiten Lehrjahr, mussten spontan die Rettung einleiten. Die erste Hürde war das Auffinden des „Opfers“. Es zeigte sich, dass das Achten aufeinander ganz zentral ist. Behält man sich gegenseitig im Blick, und schaut auch mal nach, wenn ein Kollege einige Zeit nicht auftaucht, können wertvolle Minuten bei der Rettung gespart werden.
Sind mehrere Personen vor Ort, sollte eine Person mit kühlem Kopf das Ruder übernehmen und die Aufgaben für die Rettung klar verteilen. Optimalerweise versorgt eine Person den Verletzten und kümmert sich eine weitere Person um den Notruf und die örtliche Einweisung der Rettungskräfte. Neben der unmittelbaren Wundversorgung (Verbandmaterial sollte zwingend bei der Waldarbeit mitgeführt werden und Erste-Hilfe-Auffrischungskurse zahlen sich aus!) sollte auch ein Auskühlen des Verunfallten verhindert werden – vor allem von unten wird es schnell kalt. Da helfen eine Folien-Rettungsdecke und eigene Kleidungsstücke, die man dem Verletzten unterlegen und ihn damit zudecken kann. Auch Wärme- und Kühlpads, die durch chemische oder physikalische Reaktionen funktionieren, kann man beispielsweise im Fahrzeug mitführen.
Die Kenntnis, wo sich der nächste Rettungstreffpunkt befindet, ist sehr wichtig (eine Karte der Rettungstreffpunkte gibt es zum Beispiel über in der App „Hilfe im Wald“). Am Rettungstreffpunkt besteht in der Regel auch Handyempfang und der Platz ist für die Rettungskräfte zuverlässig auffindbar. Beim Notruf sollte bei der Rettungsleitstelle auf das eventuell schwierige Gelände hingewiesen und gegebenenfalls auch die Bergwacht angefordert werden. Sobald die Retter am Rettungstreffpunkt eintreffen, werden Sie zum Unfallort gelotst. Die Zufahrt zur Unfallstelle sollte immer freigehalten werden, damit sich die Fahrzeuge nicht im Weg stehen. Bei einem größeren Unfall mit aufwändiger Bergung kann es auch hilfreich sein, den Weg von der nächsten (Forst-)Straße zur Unfallstelle zu markieren (z.B. mit Sprühfarbe oder Markierungsbändern) und sich eventuell über einen möglichen Landeplatz für einen Hubschrauber Gedanken zu machen. Während die Rettungskräfte die Versorgung des Verletzten übernehmen, kann die Strecke, auf der der Verletzte geborgen wird, bereits freigeräumt werden (Stolperfallen für die Retter wie z.B. Äste wenn möglich beiseite räumen). Jeder wünscht sich, dass er von der Waldarbeit wieder gesund nach Hause kommt, aber wenn etwas passiert, lohnt es sich, eine mögliche Rettung schon mal gedanklich durchgespielt zu haben. Oft rennt man bei örtlichen Rettungsteams wie die Bergwacht offene Türen ein, wenn man z. B. als größerer Forstbetrieb eine Rettungsübung gemeinsam planen und durchführen will – auch die Retter haben Interesse an Übungsmöglichkeiten.
